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Nachruf: Prof. Joachim Hagenauer
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Joachim Hagenauer
29.07.1941 – 16.01.2026
Joachim Hagenauer, emeritierter Professor für Nachrichtentechnik an der Technischen Universität München (TUM), starb am 16. Januar 2026 im Alter von 84 Jahren.
Prof. Joachim Hagenauer erwarb 1963 den Abschluss Ing. (grad.) an der Technischen Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm sowie 1968 und 1974 die Abschlüsse Dipl.-Ing. und Dr.-Ing. in Elektrotechnik an der Technischen Universität Darmstadt. Er verbrachte ein Jahr, von 1975 bis 1976, als Postdoktorand am IBM T.J. Watson Research Center in Yorktown Heights, NY, wo er an Fehlerkorrekturcodierungen für magnetische Aufzeichnungen arbeitete.
Er war von 1977 bis 1993 beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen tätig, zuletzt als Direktor des Instituts für Kommunikationstechnik. Von 1986 bis 1987 war er „Otto Lilienthal Fellow“ bei AT&T Bell Labs in Crawford Hill, NJ, wo er sich mit Quellen- und Kanalcodierung sowie trelliskodierter Modulation befasste.
Im April 1993 wurde Joachim Hagenauer ordentlicher Professor für Nachrichtentechnik an der TUM, wo er Lehrveranstaltungen zu Kommunikationstheorie, Mobilfunk und Quellen- und Kanalcodierung hielt. Im Herbst 2006 wurde er emeritiert.
Er wurde im Jahr 2002 als ordentliches Mitglied in die Sektion III (Naturwissenschaften, Mathematik, Technikwissenschaften) der Bayerischen Akademie der Wissenschaften gewählt. Kurz darauf erhielt er 2003 die IEEE Alexander Graham Bell Medal für Beiträge zur iterativen Dekodierung. Die TUM verlieh ihm 2003 die „Heinz-Maier-Leibnitz-Medaille“, die Friedrich-Alexander-Universität Nürnberg-Erlangen 2006 die Ehrendoktorwürde (Dr. Ing. E.h.), die deutsche Technologieorganisation VDE 2006 ihren „Ehrenring“ und die Deutsche Gesellschaft für Informationstechnik (ITG/VDE) 2014 den Wissenschaftspreis, der nur alle vier Jahre verliehen wird.
Sein uneigennütziges Engagement im Umfeld der TUM, in den nationalen und internationalen Fachgesellschaften oder in der Bayerischen Akademie der Wissenschaften ist bewundernswert. Unter vielen weiteren Aktivitäten gründete er 1998 das erste englischsprachige Masterprogramm in Bayern und leitete es als Programmdirektor bis 2006. Er war fünf Jahre lang Mitglied des Boards of Governors der IEEE Information Theory Society und 2001 dessen Präsident. Die IEEE Information Theory Society verlieh ihm 2019 den Aaron D. Wyner Distinguished Service Award.
Bei all diesen Erfolgen und Aktivitäten kamen die persönliche Seite, die Fürsorge für seine Mitarbeiter sowie die Geselligkeit nie zu kurz. Er war ein Vorbild als begnadeter Lehrer, Wissenschaftler, Vorgesetzter und Mensch, der sich als Mentor in vielfältiger Weise engagierte.